Gibt es Lieblingsgeschichten aus der eigenen Feder? Gibt es. Und die meisten davon finden sich in dieser Kurzgeschichtensammlung. :)

 

Textschnipsel:

 

Die Zeit tröpfelt mit jedem Ticken der alten Standuhr dahin, bildet ein Rinnsal, das beständig anschwillt, zu Stunden, Tagen, Wochen. Und doch steht sie still. Dieselbe verblichene Farbe an den Wänden, dieselben längst gelesenen Bücher im Regal, dieselben hellen Flecken über dem Sekretär, Zeugnis vergangener Zeiten, als es noch Spaß machte zu fotografieren.

Im Raum ist es stickig, in der ganzen Wohnung lauern Staub und Erinnerung, die Fenster fest verschlossen vor der äußeren Welt, Sicherheit im Inneren. Und doch gibt es keinen endgültigen Rückzug, manchmal muss sie hinaus, Pflicht und Notwendigkeit, und kaum hat sie ihre Festung verlassen, reißt sie der Strom mit sich.

Sie lässt sich treiben von der Menge, ziellos, orientierungslos. Bis ihr wieder einfällt, weshalb sie draußen ist, schaut sie in Gesichter, vielfältige Gesichter, alte, junge, doch sie sieht nur graue, leere Flächen, eine wie die andere, will nichts anderes sehen wie auch sie nicht gesehen werden möchte.

Doch dann, unvermittelt, ist alles anders.

 

Eines der Gesichter in der Menge vor ihr hält ihren Blick gefangen, beschwört Erinnerungen herauf, schmerzvolle, verdrängte Erinnerungen an eine Zeit, da sie noch eine Zukunft zu haben glaubte.


Auch dies ist erstmal nur eine Cover-Idee - ich brauche oft die Visualisierung in Form des Covers, um besser die Geschichte schreiben zu können. Allerdings bietet "Verloren" so viele verschiedene Bilder, dass über dieses Cover das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde.

 

Textschnipsel:

 

„Möchtest du einen Ballon?“ Eine weiß behandschuhte Faust schiebt sich vor ihr Gesicht, darin unzählige Fäden, die eine bunte Traube Luftballons auf ihrem Weg in den wolkenlosen Himmel aufhalten.

„Ballons? Ernsthaft?“

Die Ballons tanzen in der Brise, die mit dem Duft nach kandierten Äpfeln, Zuckerwatte und Popcorn lockt.

„Warum nicht? Ein blauer Ballon für ein schönes Mädchen in einem hübschen blauen Kleid.“

Kleid? Sie sieht an sich herab, gewahrt hellblauen Chiffon, der ihre nackten Beine umschmeichelt, und dunkelblaue, fast schwarze Spangenschuhe. Eine dünne Staubschicht auf dem Lackleder der Schuhe zeugt von dem Fußweg, an den sie sich nicht erinnert. Drehorgelmusik erzählt in der Ferne vom lieben Augustin. Alles ist hin.

Die weiße Faust ist einem orangen Ballon gewichen, der nur wenige Zentimeter vor ihrer Nase zappelt.

„Orange? Weil es zu deinen Haaren passt?“, fragt der Ballon.

Unwillig schüttelt sie den Kopf. „Lass mich in Ruhe mit deinen Ballons. Ich will keinen.“ Sie schlägt den Ballon zur Seite und trifft etwas Nachgiebiges, Schmieriges. Als sie herumwirbelt, sieht sie sich lediglich umringt von Ballons, die wie auf ein unhörbares Kommando hin gleichzeitig aufsteigen. Ihr Blick folgt dem Schwarm, der anfänglich in wechselnden Formationen fliegt, einem Vogelzug gleich, ehe sich die Ballons auf eigene Wege begeben und wahllos das Himmelsblau bunt betupfen.

Sie reißt sich von dem Anblick los und hält Ausschau nach dem Besitzer der Stimme. In einiger Entfernung tanzt neben dem Gerippe des Zeltes eine Gestalt mit spitzem Hut und lächerlich großen Füßen zur Drehorgelmusik, während ein Windhauch erneut von Popcorn flüstert.

 

Der anfahrende Bus trennte ihre Augen vom Plakat und als sie den Halteknopf drückte, entdeckte sie etwas Weißes, Cremeartiges an ihrer Hand. Und während sie es mit einem Papiertaschentuch abwischte, fragte sie sich ob es zu viel Handcreme oder Teil eines Clowngesichts war.

 

Genre: Horror

 

Ja, es ist wieder passiert ... Aktuell wird es wohl dieses Cover. 

Ende April mehr dazu.


Auch dieses Cover nur ein Entwurf, allerdings einer, der dem Endergebnis schon recht nahe kommen dürfte. Da ist es weitaus schwieriger, eine Kurzgeschichte von dreißig Seiten auszubauen ...

 

Textschnipsel:

 

Dann fiel ihr Blick auf den Fliesenboden unter dem wuchtigen Baum. Tannennadeln. Sie hatte es gewusst.

„Sag selbst, ist das nicht ein Prachtbaum?“ Torben legte seine Arme um sie. „Kerzengerade und voller …“

„Nadeln“, murmelte Anne, wand sich aus seiner Umarmung und verließ das Zimmer.

„Anne“, rief Torben ihr hinterher, „was ist los? Gefällt er dir nicht?“

Noch ehe er ihr folgen konnte, kam sie zurück, Handfeger und Kehrschaufel in der Hand, und machte sich wortlos daran, die Nadeln aufzufegen.

„Was machst du denn jetzt? Der Staubsauger steht doch schon hier, ich bin nur noch nicht dazu gekommen.“

„Darf keinen Lärm machen“, murmelte Anne und fegte weiter.

Die Türklingel enthob Torben einer Entgegnung.

Als Anne die Kehrschaufel zurück in die Küche bringen wollte, stieß sie im Türrahmen beinahe mit Zoë zusammen, Torbens sechzehnjähriger Tochter aus einer früheren Beziehung.

„Hoppla“, sagte Zoë lachend, „nicht so stürmisch.“

Anne drückte sich schweigend an dem Mädchen vorbei.

„Äh, was issen los?“ Zoë sah ihren Vater fragend an, doch der zuckte nur mit den Achseln.

Kopfschüttelnd sah sie Anne nach, dann wandte sie sich dem Baum zu. „Mordstrumm“, meinte sie, „ein Wunder, dass du den heil hier rein bekommen hast.“

Die Spitze des Baums endete knapp eine Handbreit unter der Decke, die ausladenden Äste ragten auf der linken Seite über die Armlehne des Sofas, auf der rechten stießen sie bereits gegen die Wand. Der Weg zum Fenster war versperrt.

„Ja, irgendwie hab' ich mich da wohl etwas verschätzt. Beim Händler wirkte der Baum entschieden zierlicher.“ Torben kratzte sich verlegen am Kopf. „Vielleicht ist Anne deshalb sauer … Aber schön isser doch, oder?“

„Ja“, lachte seine Tochter, „schön gewaltig.“

„Zoë, was für eine Überraschung. Schön, dich zu sehen.“ Anne kam wieder zur Tür herein und trat freudestrahlend auf das Mädchen zu. „Was führt dich her? Gibt’s was Besonderes?“

„Äh“, Zoë erwiderte Annes Umarmung halbherzig, die Verwirrung war ihrem Gesicht abzulesen. „Was …“, begann sie, doch Torben bedeutete ihr Time out, und so setzte sie ein Lächeln auf, schluckte ihre Worte hinunter und beantwortete lediglich Annes Frage: „Nö, ich wollte eigentlich nur fragen, ob ich dich und die Minis morgen besuchen darf. Ich hab nämlich schulfrei.“

„Klar!“ Anne strahlte. „Seit deinem Praktikum fragen die Möppel eh fast täglich nach dir.“

„Prima – ich muss auch gleich wieder los, Geschenke shoppen. Dieses Jahr will ich nicht wieder an Heiligabend panisch durch die Stadt düsen. Also bis morgen.“

Torben nickte ihr kurz zu und Zoë wusste, er würde nicht nachhaken. Warum auch, Anne wirkte nun wieder wie immer.

Aber Zoë nahm sich vor, am nächsten Tag herauszufinden, warum ihre Noch-nicht-ganz-Stiefmutter so seltsam gewesen war.

 

Genre: Thriller

 


Nein, dies ist nicht das endgültige Cover, sondern lediglich eine Spielerei mit der vorhandenen Idee - der Rahmen stimmt definitiv nicht, der will noch gefunden werden. Was insofern nicht schlimm ist, als die Geschichte auch erst noch geschrieben werden will.

 

Textschnipsel:

 

Eine schmale Straße, die umso enger wirkt, je mehr Autos hier parken, und es parken sehr viele hier. Häuser stehen dicht an dicht, da ist kein Platz für Garagen. Und weite Wege sind nicht erwünscht.

Alte Stuckfassaden, grau vom Schmutz der Jahre, Treppen, die zu Haustüren hinaufführen, mal mit Geländer, mal ohne. Gardinen verstecken Innenleben, nur hin und wieder beiseitegeschoben, um hinausschauen zu können, verstohlener Blick auf das Leben anderer.

Die meiste Zeit des Tages ist die Straße still, stehengeblieben in der Zeit und der Welt um sie herum. Dann säumen immer noch unzählige Autos die Straße, doch niemand scheint anwesend zu sein, dem die Autos gehören könnten.

Und dann ist da dieses Schaufenster. Der Laden, zu dem es gehört, steht schon so lange leer, dass die Leute vergessen haben, dass es ihn gibt. 

Anfangs war das große Fenster, das über die Hälfte der Hausbreite einnimmt, noch zugeklebt, doch nach und nach lösten sich Papierstreifen von der Scheibe, so, als käme des Nachts ein Gnom, um zerstörerisches Werk zu verrichten. Irgendwann war das Papier ab, doch es scherte niemanden, denn in der Dunkelheit des Ladens gab es sowieso nichts zu sehen.

Bis eines Tages der Laden wieder geöffnet hatte. Niemand hatte renoviert, niemand Ware hineingebracht, so wurde auf der Straße geredet, wenn sich doch einmal Nachbarn über den Weg liefen. Wie könnte das mit rechten Dingen zugehen?

Wahrscheinlich hatte bloß niemand darauf geachtet, weil man es gewöhnt war, dass der Laden leer, still und dunkel war.

Schaute man nun durch das Schaufenster, sah man immer noch mehr Dunkelheit als Licht, doch zumindest war der Laden nicht mehr leer und verhieß somit Abwechslung genug, dass sich nach und nach die Bewohner der Straße einfanden.

Der Besitzer war ein noch recht junger Mann, mit einem gefärbten Irokesen auf dem ansonsten kahlen Schädel, Tunnel in beiden Ohrläppchen und Piercings in Unterlippe und Nase. Er trug ein Hundehalsband aus grauem Leder und ansonsten schwarze Klamotten. Mal Jeans, mal Lederhose, mal Hemd mit Tank Top, mal Hoodie, mal T-Shirt mit Weste. Und klobigen Stiefeln mit dicken Riemen und dicker Profilsohle.

Und somit war der Mann ein Anachronismus im eigenen Laden, denn er verkaufte Antiquitäten. Nicht irgendeinen Ramsch vom Sperrmüll, wie man es von anderen Läden kannte, sondern Stücke, die nicht nur teuer ausgezeichnet waren, sondern tatsächlich auch so wirkten. Möbel, Gemälde, Vasen, Porzellan in allen Formen, von der Suppenterrine bis zur kleinen Schäferin, von protzig bis schlicht und absolut fehl am Platze in dieser Straße.

Das anfängliche Interesse erlosch ebenso rasch, wie es aufgeflammt war, und die Straße leerte sich wieder. Und der Laden wartete …

 

 

Genre: Horror