"Mia mitten in Mitternacht" ist eine Idee, die mich unverhofft heimgesucht hat - momentan liegt der Text bei Testlesern und warte auf Rückmeldung ...


Das ist genau das Cover, dass "Riss in der Wirklichkeit" bekommen wird, denn das Bild ist schuld daran, dass ich mich an eine zwanzig Jahre alte Idee erinnert habe. Ich denke, auch sie könnte noch in diesem Jahr das Licht der Welt erblicken. :)

 

Textschnipsel:

 

Die Zehnjährige schielte zu den Mitternachtgipfeln. Brou schob sich beharrlich in die Höhe, doch von Fyakh war noch lange nichts zu sehen. Stets erklomm die kleinere der beiden Sonnen den Himmel nicht, bevor die größere die Berge überwunden hatte. Erst dann wurde es richtig hell und heiß.

 

„Zwei Sonnen?“ Linus runzelte die Stirn und sah von seinen Notizen auf.

„Ja, zwei“, bestätigte Emma und verschränkte die Arme. „Wieso auch nicht? – Ich stelle es mir irre interessant vor, wenn der Himmel so viel mehr zu bieten hat als Wolken und eine popelige Sonne.“

„Nun denn.“ Linus zuckte die Achseln und setzte den Füller wieder auf die Linie, auf der er das letzte Wort unterbrochen hatte. „… hell und heiß“, murmelte er. „Granya hatte das helle Haar und die dunkle Haut des Wüstenvolks …

 

… und zahllose Sommersprossen auf Nase und Wangen. Ihr Vater neckte sie oft damit, dass sie in ihrer Anordnung dem Sternbild des Siegreichen Wasserdrachen entsprachen, und Granya trug ihr Haar nur noch offen, so dass ständig Haarsträhnen über ihr Gesicht wehten, weswegen die Sommersprossen weniger Beachtung fanden. Dafür fiel sie selber umso mehr auf, da beim Wüstenvolk selbst die Männer ihre Haare in geflochtenen Zöpfen trugen. An windigen Tagen tanzte ihr Haar derart wild um ihren Kopf, dass es an einen Sonnensturm erinnerte. Deshalb hatte sie den Namen Granya bekommen. Wind, der mittags durch die Wüste wirbelt.

 

 

 

Genre: Fantasy

 

Mittlerweile hadere ich nicht nur mit dem Cover, sondern auch mit dem Titel. Was nicht schlimm ist, denn nichts ist in Stein gemeißelt, kann also jederzeit nach Belieben verändert werden, so lange es nur dem Schreibfluss guttut. :)

 

Dies ist also die vorläufige Version.

Ja, ich weiß ... aber in dem Maße, in dem sich die Geschichten entwickeln, ändern sich auch die Cover. Nun habe ich die Liebesgeschichte rausgestrichen, dadurch viele neue, interessante Ideen bekommen und festgestellt, dass das Cover ein ganz anderes sein muss.


Dank meiner Großnichte Anna habe ich das perfekte Cover gefunden. :)

 

Textschnipsel:

 

Die Haustür klappte leise zu, Schritte und Stimmen entfernten sich.

Zwei Stunden.

Jonah seufzte. Er hasste es, allein zu sein. Und noch mehr hasste er es, wenn seine Eltern so taten, als wäre allein zu bleiben kein Ding für einen Dreizehnjährigen. Er war nun mal nicht so wie alle anderen. Meistens jedenfalls.

Der Blick zur Uhr machte deutlich, dass noch nicht einmal eine Minute vergangen war. Das konnte ja heiter werden.

Er musste sich ablenken. Hausaufgaben kamen dafür allerdings nicht in Frage, denn er hatte keine auf. Jedenfalls keine, die er machen wollte. Lateinvokabeln. Wer lernte schon freiwillig Lateinvokabeln?

Natürlich könnte er am PC zocken, doch von seinen Freunden war so früh keiner online und allein machte es keinen Spaß.

Also schlenderte er durch sein Zimmer, nahm hier ein Buch in die Hand und dort sein Smartphone – und erinnerte sich jäh an das, was er vergessen hatte. Er musste zur Toilette.

Eigentlich wollte er gehen, solange seine Familie noch da war, aber dann hatte der Zickenalarm bei seiner Schwester ihn veranlasst, sich lieber in sein Zimmer zurückzuziehen. Was nun?

Wieder seufzte er, lauter dieses Mal. Es waren immer noch fast zwei Stunden, so lange hielt er nie durch. Also stellte er den CD-Player an und drehte er die Musik laut, damit wenigstens die ihn auf seinem Weg begleiten konnte.

Als er die Tür von seinem Zimmer öffnete, empfing ihn Stille, und Jonah wusste nicht zu sagen, ob das gut war oder schlecht. Für ihn stand jedenfalls fest, dass er später niemals wieder in einer so großen Wohnung leben wollte. Da konnte man doch nie sicher sein, ob nicht in einem der anderen Zimmer längst schon jemand saß. Wie wollte man denn auch feststellen, ob man einen fremden Mitbewohner hatte? Schließlich konnte man kaum in allen Zimmern gleichzeitig sein. Hoffentlich musste der Andere jetzt nicht ebenfalls aufs Klo.

Während Jonah noch überlegte, ob es besser war, lautlos zu schleichen oder lärmend zu rennen, schlug die Standuhr im Wohnzimmer die volle Stunde und der Dreizehnjährige quiekte erschrocken. Scheiße! Beinahe wäre der Gang zur Toilette überflüssig geworden. Jetzt aber schnell.

Für den Moment gaukelten ihm das Geräusch der Klospülung und das Rauschen des Wasserhahns Normalität vor, doch diese verklangen, als er die Badezimmertür öffnete, und wieder empfing ihn Stille. Jonah schloss die Tür hinter sich und machte einen ersten Schritt in Richtung seines Zimmers. Immer noch Stille. Er setzte zu einem zweiten Schritt an. STILLE! Jäh hielt er inne und ihn fror. Seine Musik. Er hatte doch … Wieso … Angst kroch seine Kehle herauf, er wollte schlucken, doch sein Mund war so trocken. Zitternd verharrte er auf der Stelle, wusste nicht, was tun, und wünschte sich klein wie eine Maus, um sich verkriechen zu können, bis wenigstens seine Eltern heimkehrten. Oder seine nervigen Geschwister. Alles war besser, als allein in dieser Stille zu sein.

Stille? Die alte Standuhr tickte lauter als sonst, irgendwo knarrte eine Holzdiele und sein Herzschlag glich sich dem Rhythmus der Uhr an. Tick – klopf – Tack – klopf.

„Mann, Alter, seit wann bist du so'n Schisser?“ Obwohl Jonah bemüht war, mit fester Stimme überzeugend zu klingen, brachte er gerade mal ein Flüstern über die Lippen. Was war nur los mit ihm? Der CD-Player hatte schon öfter Aussetzer gehabt, kein Grund, in Panik zu verfallen.

Du bist nicht allein, wisperte es in seinem Kopf. Er ist in deinem Zimmer. Er wartet. Auf dich.

„So'n Quatsch!“ Immerhin gelang es Jonah, die andere Stimme zu übertönen, nun musste er es nur noch bis in sein Zimmer schaffen. Bloß ein paar Schritte.

„Komm schon“,

ein Fuß vor den anderen,

„es ist niemand da“,

der nächste Schritt,

„du bist ganz allein hier“,

noch einer,

„allein“,

ein weiterer Schritt,

„niemand“.

Da vorne war schon die Tür. Jonah holte tief Luft, huschte in sein Zimmer und warf die Tür ins Schloss. Geschafft.

Als er sich umdrehte, sah er den Mann auf seinem Bett sitzen.

 

Genre: Fantasy


Das ist durchaus ein Cover, wie ich es mir vorstellen könnte. Allerdings fehlen noch etliche Seiten, ehe es akut wird. Das wäre dann Band 1.

 

Textschnipsel:

 

Sie atmete tief durch und öffnete die Tür. Augen zu und durch.

Nach dem ersten Schritt drehte sie sich um, tastete nach der Türklinke und zog die Tür ins Schloss, die Augen fest geschlossen, da sie befürchtete, nicht mehr weiterzugehen, wenn sie dasselbe zu sehen bekam wie vorhin. Erst als die Tür zu war, öffnete sie die Augen wieder. Und sah nichts.

Noch einmal atmete sie tief durch, kramte ihr Handy aus der Tasche und schaltete es ein. Ein kaum wahrnehmbares Leuchten ließ sie die verschwommenen Umrisse ihrer Hand mit dem Smartphone darin eher erahnen, denn sehen. Ihre Taschenlampenapp würde das ändern.

Sie wischte über den Bildschirm, bis sie die App gefunden hatte, und schaltete sie ein. Der Lichtstrahl fiel auf den Boden, doch mehr als ein kleiner Kreis um ihre Füße war nicht zu erkennen. Und als sie den Strahl in die Dunkelheit richtete, fiel er gegen eine Wand aus undurchdringlicher Schwärze.

Emily biss sich auf die Lippen. Sie hatte Angst im Dunkeln und mit einer Tranfunzel würde sie nicht einen Schritt machen. Eine Träne stahl sich aus ihrem rechten Auge und rann ihre Wange hinunter. Vielleicht sollte sie doch besser umkehren.

Sie drehte sich um und streckte die Hand aus, in dem Glauben nun direkt vor der Tür zu stehen, doch ihre Hand griff ins Leere. „Was …?“ Auch ihre Frage verlor sich in der Leere und Emily verfluchte sich dafür, dass sie keine Kreide mitgenommen hatte, um den Ausgang zu kennzeichnen. Hektisch fuchtelte sie mit dem Handy herum, doch sie sah nur Dunkelheit und Finsternis und das Licht des Handys stetig schwächer werden.

Sie machte einen weiteren Schritt auf die vermeintliche Tür zu …

 

Reise im Nichts

 

„Falsche Richtung“, wisperte eine Stimme dicht neben ihr und Emily quiekte erschrocken und sprang einen Schritt zur Seite.

„Was?“, stammelte sie. „Wer …“

„Eine Freundin, du brauchst keine Angst vor mir zu haben.“ Wort für Wort kam die Stimme näher.

Emily hielt den Atem an und lauschte in die Dunkelheit, doch da war nichts weiter zu hören. Nur ihr viel zu schneller Herzschlag und diese Stimme.

„Ja klar, und nur weil du das sagst, glaube ich dir und folge dir in deine Höhle, wo ich den Nachtisch für deine Brut abgebe.“ Die Vierzehnjährige bemühte sich, ihrer Stimme einen festen Klang zu verleihen. Sie konnte nicht abschätzen, ob derjenige, der zu ihr sprach, Angst riechen konnte – aus ihren Worten raushören sollte er sie keinesfalls.

„Du bist sehr witzig.“ Ein leises Kichern, das kaum ihr Ohr erreichte. „Ich mag witzige Leute.“

„Warum? Schmeckt deren Fleisch zarter?“

„Nun sei doch nicht so auf Krawall gebürstet. Ich hatte nichts Böses im Sinn.“ Nun klang die Stimme beleidigt.

„Man weiß nie. Schließlich kann ich dir nicht in die Augen sehen. An den Augen erkennt man oft, ob jemand lügt. Aber hier …“ Emily biss sich auf die Lippen. Bei jeder Bewegung, die sie machte, erwartete sie, Widerstand zu spüren. Eine verstofflichte Finsternis. Eigentlich tat es gut, nicht allein zu sein.

„Wenn ich dich den Schritt hätte machen lassen, hättest du dich nur weiter von der Tür entfernt und hättest sie womöglich gar nicht mehr wiedergefunden. Allein in dieser Dunkelheit zu sein ist nicht schön.“

Emily schlug eine Hand vor den Mund. Wenn das stimmte, dann hatte sie der Person arges Unrecht getan. Doch noch immer nagte Zweifel an ihr, ob man es gut mit ihr meinte.

„Nun, vielleicht ist es besser, wenn ich jetzt gehe.“

„Nein, warte.“ Emily streckte in einem Reflex den Arm aus, jedoch ohne jemanden zu berühren. Worüber sie letztendlich doch froh war. Jetzt galt es zunächst einmal die Probe zu machen. „Du sagst, ich hätte mich von der Tür entfernt – dann weißt du also, wo sie ist?“

„Aber ja doch. Geh einen halben Schritt nach links, mache eine viertel Drehung ebenfalls nach links und geh dann drei kleine Schritte nach vorne.“

Emily tat, wie ihr geheißen, und als sie zögernd die Hand ausstreckte, berührten ihre Fingerspitzen die Türklinke. „Wie kannst du das wissen?“, fragte sie. „Selbst eine Katze könnte hier drin nichts sehen, weil hier überhaupt kein Licht ist.“

„Ich bin nun schon so lange hier, ich brauche nichts zu sehen, um es zu wissen. Ich empfinde es. Irgendwie.“

Für einen Moment verschlug es Emily den Atem. Lange. „Wie lange bist du denn schon hier?“, fragte sie leise.

„Ich weiß nicht genau, welchen Tag haben wir jetzt?“

„Dienstag. Den …“

„Das war ein Scherz.“ Leises Lachen erklang. „Ich bin hier geboren. Und eigentlich war ich dazu bestimmt, auch hier zu sterben. Doch das war, bevor du kamst.“

Hier geboren. Emily biss sich fest auf die Unterlippe. Wie schrecklich. „Dann gib mir deine Hand und wir verlassen gemeinsam diesen schrecklichen Raum.“ Sie streckte den Arm aus.

„Nein.“

„Nein?“

„Nein. Ich kann den Raum nur auf eine Art verlassen. Und die führt nicht durch deine Tür.“

Emily nagte an ihrer Unterlippe. Einerseits sehnte sie sich nach Licht, denn ihr Handy hatte mittlerweile den Kampf gegen die Dunkelheit aufgegeben, und die Vierzehnjährige bezweifelte, dass die Kerzen oder das Feuerzeug mehr ausrichten konnten. Andererseits interessierte sie durchaus, was sie am anderen Ende des Raumes erwartete.

„Ich heiße Emily.“

„Und ich Semiramis.“

„Könnten wir uns vielleicht die Hand schütteln?“

„Sei mir nicht böse, aber wenn du wie ich in absoluter Dunkelheit geboren und allein gelassen worden wärst, würdest du dich hüten, vorschnell Körperkontakt mit anderen aufzunehmen.“

„Okay, dann also später. Und wo lang müssen wir jetzt?“

„Dreh dich noch einmal eine halbe Drehung.“

„Nach rechts oder nach links?“, fragte Emily kichernd.

„Das ist eine gute Frage, deren Antwort wohlüberlegt sein will“, entgegnete Semiramis. „Mit welchem Fuß bist du denn heute Morgen zuerst aufgestanden?“

„Mit … äh …“ Verflixt! Wenn sie wüsste, auf welcher Seite sie das Bett verlassen hatte, wäre die Antwort ganz einfach, aber sie konnte sich einfach nicht erinnern.

„Scheherz!“, rief Semiramis und giggelte vor Lachen. „Dreh dich, wie du willst, und komm endlich ausse Puschen. Du hast nen ziemlichen Weg vor dir.“

„Soll heißen?“, fragte Emily, während sie sich drehte.

„Schätzungsweise neunzig Millionen siebenhundertachtundzwanzig Tausend und vierhunderteinundfünfzig Schritte.“

„Dein Ernst?“

„Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie viele Schritte du machen musst, um diesen Raum zu durchqueren. Aber egal, jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Wollen wir?“

Emily nickte. „Also los.“

 

Genre: Fantasy